Lesungen in der Stadtbibliothek Altheim

Lesung der Stadtbibliothek Altheim am 15.11.2018 mit Beate Maxian und Musik von Manfred Schöller, 19:30 Uhr Landesmusikschule Altheim, Karten an der Abendkasse € 8,- inkl. kl. Verköstigung; liest aus ihrem Wien-Krimi „Tod in der Kaisergruft“ und aus ihrem im November neu erscheinenden Roman „Das Geheimnis der letzten Schäferin“

Gesangskapelle Hermann & Hans Kumpfmüller am 24.11.2018, 20:00 Uhr Landesmusikschule Altheim, Kartenvorverkauf € 16,- Stadtamt und RAIBA Altheim, Abendkasse € 18,-

Volksmusik-Boygroup-Vokalensemble & Mundartdichter; Veranstalter: Kulturabteilung Stadtamt Altheim & Stadtbibliothek

Charmant und wortgewandt wie eh und je, garniert mit der notwendigen Prise Boshaftigkeit.  Sie vertonen die „bissigen“ Texte von Hans Kumpfmüller, von Kleinkariertheit und Größenwahn, über den Alltag und Beziehungen.

Innviertel in Wort und Bild

Hans Kumpfmüllers Stiefmutterland & Großvatersprache

Das oberösterreichische Innviertel darf sich glücklich schätzen, seine Mundart nicht gänzlich in jener Trostlosigkeit absaufen sehen zu müssen, welche so bezeichnend ist für eine gängige affirmative Laiensprachproduktion, die beim rührenden Muttertagsgedicht beginnt und beim Rahmenprogramm für Ortsparteitage noch lange nicht endet, und in der restlos abgeschliffen ist, was jedem Dialekt Kraft verleiht und ihn in seiner Widerständigkeit ganz selbstverständlich vor eben solcher tödlichen Vereinnahmung schützt.

Hans Kumpfmüller, Jahrgang 1953, „im 5b Fördergebiet der Europäischen Union“ lebend, hat mit Stiefmutterland und Großvatersprache eine „buidabiachl“ genannte Publikation vorgelegt, die in Wort und (exaktem Schwarz-Weiß) Bild für das Innviertel literarisch und fotokünstlerisch das leistet, was in einer übermächtigen Folkloreindustrie unterzugehen droht: Er vermag in Geschichten und ihnen vorangestellten Gedichten sowie in schön komponierten Fotografien, in denen jeweils die von der einen  Seite mit jener der anderen korrespondiert, ein Thema oder eine Form variiert bzw. auf reizvolle Art assoziiert, Hans Kumpfmüller vermag Landschaft und Menschen, was natürlich immer auch heißt: ihren Lebensbedingungen, gerecht zu werden.

Die Sujets der Fotos und die Inhalte der Geschichten, die Kumpfmüller in gemächlich-humoristischem Ton erzählt, sind vielfach Fundstücke, die Menschen und Gegenstände vor dem Vergessenwerden bewahren.

Ob er dem Ursprung seines Namens nachgeht – von daheim das Mundartreden gewohnt, mühte sich das Fräulein in der Schule ab, ihn „für das Schönsprechen zu begeistern“ (wie schön der Innviertler Dialekt ist, lässt sich auch von Nichtinnviertlern in diesem Buch ohne allzu große Mühe nachprüfen!)-, ob er an eine mit dem Waschen gräflicher Unterhosen, aus der untersten Lad des „Innviertler Kastenwesens“ stammende Frau erinnert, einen aus Böhmen zugewanderten, 1922 verstorbenen Wagner lebendig werden lässt, der als zuagroassda, den Dörflern „zeitlebens Verstand und Sägen schärfte“, immer horcht Kumpfmüller sehr genau der gesprochenen Sprache nach, also dem Dialekt. Der Mann aus Böhmen wurde a bem genannt. „Das Wort bem hat in dieser Region allerdings eine doppelte Bedeutung. So heißt eine Apfelsorte, die sich durch besonders lange Haltbarkeit auszeichnet, also so genannte bleibade hier ebenfalls bem, also Böhme. Die Herkunft ist leicht erklärt: Diese alte Sorte stammt ursprünglich aus Brünn, und da Brünn bekanntlich in Mähren liegt, heißt sie eben so.“

Man kann einiges lernen über die Innviertler und ihre Mundart, also über das, worüber Hans Kumpfmüller schreibt: „Ich habe keine / Heimat mehr – / – ich wohne / nur mehr dort.“

In dem am Ende des Buches befindlichen „Ausdeutschheft Valentina 3.Schulstufe“ erfahren die LeserInnen dieses Buches auch – „ausgedeutscht“ – „schbinnada boaddada dischlabua“ heißt, nämlich „ortsübliche Bezeichnung für den Autor dieses Buches“. Und der „in Hoch-und Tiefsprache“ schreibende und „mit Subjektiven der verschiedensten Brennweiten“ fotografierende Hans Kumpfmüller ist natürlich ein Segen für das Innviertel, hat er doch sowohl ein offenes Ohr für die Sprache und einen genauen Blick, aber vor allem ausreichend Verstand, sich in dem, was er mit beiden Sinnen wahrnimmt, nicht täuschen zu lassen.

  1. P. Zier in „Literatur und Kritik“

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