Schlaganfall: Nur 30 Prozent der Innviertler kommen rechtzeitig auf die lebensrettende Stroke Unit

Schlaganfall: Nur 30 Prozent der Innviertler kommen rechtzeitig auf die lebensrettende Stroke Unit

Bei einem Schlaganfall geht es um jede Minute. Die rasche Behandlung auf einer Spezialeinheit erhöht entscheidend die Chance, zu überleben und ohne Folgeschäden davonzukommen. Die Stroke Unit im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried zählt zu den effektivsten in ganz Österreich – doch nur ein Drittel der Betroffenen kommt früh genug.

Wird schon nicht so schlimm sein: Diese Einstellung hat bei einem Schlaganfall fatale Folgen. „Nach einem solchen Ereignis altert das Gehirn ohne Behandlung in jeder Minute um drei Wochen, pro Stunde also um dreieinhalb Jahre“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Andreas Kampfl, Leiter der Neurologischen Abteilung am Innviertler Schwerpunktspital.

Die allermeisten Schlaganfälle werden durch ein Blutgerinnsel in einer Hirnarterie verursacht. Mit der sogenannten Lysetherapie kann dieses Gerinnsel aufgelöst werden – umso erfolgreicher, je rascher gehandelt wird: Beginnt die Therapie innerhalb von drei Stunden, so erhöht sich die Chance, ohne Behinderung zu überleben, um 75 Prozent. Schon in den folgenden eineinhalb Stunden verringern sich die Erfolgsaussichten massiv.

Behandlungsbeginn in Bestzeit Die einzige Schlaganfall-Einheit für das gesamte Innviertel befindet sich im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. 660 Patientinnen und Patienten wurden im Vorjahr hier versorgt. Ein multiprofessionelles, eingespieltes Team ist sofort mit spezialisierter Diagnostik und Therapie zur Stelle. Vom Eintreffen bis zum Beginn der Behandlung vergehen keine 30 Minuten – der zweitbeste Wert aller Stroke Units in Österreich.

Aber leider kommen nur rund 30 Prozent der Schlaganfall-Patienten rechtzeitig in die Rieder Spezialeinheit. Deshalb wurde nun ein Kooperationsprojekt mit Hausärztinnen und Hausärzten, Notärztinnen und Notärzten sowie dem Roten Kreuz gestartet, damit die Betroffenen schneller an die Stroke Unit gelangen. „Das bedeutet, das Risiko für Behinderung und Tod auch im Vergleich zu Nicht-Schlaganfall-Stationen nochmals deutlich zu senken, und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht“, betont Prim. Kampfl. Patientinnen und Patienten profitieren nicht nur von kompetenter Therapie, sondern auch von laufender Überwachung der Vitalparameter, frühzeitiger Erkennung von Komplikationen und neurologischer Akutrehabilitation. Die Erfolgsrate bei leichten und mittelschweren Schlaganfällen beträgt rund 70 Prozent. Wo die Lysetherapie nicht ausreicht, erfolgt die Entfernung des Gerinnsels durch eine endovaskuläre Neurointervention (in Kooperation mit dem Kepler Universitätsklinikum Linz).

Viel Erfahrung auch bei Carotis-Chirurgie

Neben der Neurologie spielt bei der Vorbeugung und Behandlung von Schlaganfällen auch die Gefäßchirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried eine wichtige Rolle. Denn 15 Prozent aller Schlaganfälle werden durch ausgeprägte Verengungen der Halsschlagadern (Carotisstenosen) verursacht. Eine Operation kann das vorbeugend verhindern oder nach einem Schlaganfall das Risiko eines Rezidivs bedeutend senken. Gefäßchirurgen, Radiologen und Neurologen arbeiten in Ried in einem interdisziplinären Gefäßboard zusammen, um bei regelmäßigen Besprechungen die jeweils optimale, individuelle Therapie festzulegen.

Ein Schlaganfall alle 20 Minuten

Jährlich erleiden rund 25.000 Menschen in Österreich einen Schlaganfall, besonders häufig nach dem 75. Lebensjahr. Jede/r Sechste stirbt daran. Damit sind Schlaganfälle die dritthäufigste Todesursache und häufigste Ursache einer dauerhaften Behinderung. Jede zweite Patientin, jeder zweite Patient mit einem schweren Schlaganfall entwickelt später eine Demenz. Mit Behandlungs- und Folgekosten von jährlich rund 1,6 Milliarden Euro ist der Schlaganfall volkswirtschaftlich die teuerste Erkrankung.

Lebensstil bestimmt das Risiko

Die wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfälle sind Bluthochdruck, ungünstige Blutfettwerte, Vorhofflimmern und Rauchen. Der Lebensstil kann das Risiko um bis zu 80 Prozent senken: Nichtrauchen, regelmäßige körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, geringer Alkoholkonsum und ein Body-Mass-Index unter 25.

Schlaganfall erkennen mit der FAST-Regel:

F (Face = Gesicht): Der Betroffene soll lächeln. Hängt ein Mundwinkel nach unten?

A (Arm): Der Betroffene soll beide Arme heben. Ist das nicht möglich bzw. sinkt ein Arm nach unten?

S (Sprache): Der Betroffene soll einen einfachen Satz wiederholen. Macht er dabei Fehler, spricht er undeutlich?

T (Time = Zeit): Wenn auch nur eines dieser Zeichen auftritt: Sofort die Rettung rufen!

Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Kampfl © KH BHS Ried / Schrattenecker-Fischer

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