Wie EU-Gelder in unsere Grenzregion kommen.

Wenn das Überschreiten von Grenzen gefördert werden soll, ist Regionalmanagerin Brigitte Dieplinger zur Stelle. Welche Arbeit steckt dahinter, wer profitiert davon? Diesen Fragen gehen wir im Sommerinterview mit Regionalmanagerin Brigitte Dieplinger auf den Grund.

Brigitte Dieplinger ist bei der Regionalmanagement OÖ GmbH Ansprechpartnerin für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und das EU-Förderprogramm INTERREG Österreich-Bayern. Foto RMOÖ

Brigitte Dieplinger, sie sind seit 1996 als Regionalmanagerin für die Region InnviertelHausruck tätig. Was war Ihre Motivation, diesen Job zu machen?

Ich war in den 90er Jahren in einem Verlag tätig, der Reiseführer für Fahrradtouren auflegt. Als Redakteurin bin ich in verschiedene Regionen gereist, um Radwege, Sehenswürdigkeiten, Gastronomie und dergleichen zu erkunden. Dabei habe ich die unterschiedlichsten Regionen entdeckt, von denen ich vorher keine Vorstellung, kein Bild hatte. Für mich war das ungeheuer spannend. Ich habe festgestellt, dass sich die Regionen ganz unterschiedlich präsentieren; manche sehr professionell, andere waren gar nicht organisiert. Da hat mich die Leidenschaft gepackt, für eine Region zu arbeiten und mit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 bekam ich die Chance, für die Region Innviertel-Hausruck als Regionalmanagerin zu arbeiten.

Womit beschäftigen Sie sich als Regionalmanagerin?

Begonnen habe ich mit dem Bereich der Landwirtschaft. Damals gab es für innovative Kooperationsprojekte von bäuerlichen Betrieben sehr hohe EU-Förderungen. Es gab einen großen Ideenreichtum und eine ungeheure Dynamik, sodass wir fast in allen Gemeinden Projekte in der Direktvermarktung, für Urlaub am Bauernhof, neue Dienstleistungen oder im Bereich der Energie hatten. Die Rieder Bauernmarkthalle ist damals entstanden oder der sehr
erfolgreiche Öhlerhof im Mostlandl. Später habe ich mich mehr auf die Regionalentwicklung auf kommunaler Ebene konzentriert. Ich hatte einige Teilregionen im Visier, aus denen man vielleicht mit einem gemeinsamen Commitment über mehrere Gemeinden hinweg eine spezifische regionale Entwicklung
vorantreiben könnte. Dem damaligen Bürgermeister von St. Aegidi, Edi Paminger, habe ich den „Floh ins Ohr gesetzt“, die Region Sauwald zu vernetzen und eine gemeinsame Entwicklung anzustoßen. So haben wir miteinander eine Strategie für den Sauwald und die Idee des Baumkronenweges ausgearbeitet und haben erfolgreich die LEADER-Region Sauwald aus der Taufe gehoben. Heute bin ich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der oberösterreichischbayerischen Grenzregion zuständig. Und die Dinge wiederholen sich: aktuell bin ich gemeinsam mit den EUREGIOs dabei, eine grenzübergreifende Strategie für unseren Grenzraum auszuarbeiten. Die darin festgelegten Themen werden die inhaltliche Grundlage für die Umsetzung von grenzüberschreitenden Projekten mit dem neuen EU-Förderprogramm INTERREG Bayern-Österreich 2021-2027 sein.

Die Arbeit im Regionalmanagement hängt also immer eng mit EU-Förderprogrammen zusammen?

Das war die ursprüngliche Idee. Man hat in den Regionen Strukturen geschaffen, die sich darum kümmern sollen, dass EU-Förderprogramme in den Regionen auch genutzt werden und die Fördermittel dort ankommen, wofür sie gedacht sind. Mittlerweile wurden die Aufgaben aber erweitert und so bearbeiten meine Kolleginnen in der Geschäftsstelle Braunau auch inhaltliche Themen, die für die Regionen wichtig sind, z.B. Mobilität, Stadt-UmlandKooperationen, Bürgerbeteiligung oder das Thema Multilokalität. In meinem Fachbereich grenzüberschreitende Zusammenarbeit spielt aber das INTERREG-Programm nach wie vor eine sehr zentrale Rolle.

Wie muss man sich das vorstellen mit der EU-Förderung, bekommen Sie die Gelder direkt aus Brüssel?

Die Fördergelder kommen von der Europäischen Union, aber natürlich nicht direkt zu uns. In der EU wird für jeweils sieben Jahre ein mehrjähriger Finanzrahmen ausverhandelt. Das findet derzeit unter dem Vorsitz Deutschlands für die Programmperiode 2021-2027 statt. Die Gelder werden in verschiedene Fonds verteilt, damit bestimmte Ziele in den EU-Mitgliedsstaaten erreicht werden können. Der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) speist unter anderem die INTERREG-Programme, von denen es in Europa ungefähr 60 verschiedene gibt. Die Grenzregionen schreiben unter der Federführung einer Verwaltungsbehörde ihr jeweiliges INTERREG-Programm und bekommen aus dem EFRE eine bestimmte Summe zugewiesen. Das Programm INTERREG Österreich-Bayern 2014-2020 umfasst alle Bundesländer und Landkreise entlang der österreichisch-bayerischen Grenze vom Bodensee bis zum Bayerischen Wald. Das Gesamtbudget lag bei 54 Mio Euro, die jetzt am Ende der Programmlaufzeit aber ausgeschöpft sind und für grenzübergreifende Projekte eingeplant sind. Die Verwaltungsbehörde für unser Programm ist beim Land Oberösterreich angesiedelt. Die Entscheidung, welche Projekte die Fördermittel bekommen, trifft ein INTERREGBegleitausschuss mit Vertretern und VertreterInnen aller beteiligten Länder und Regierungsbezirke sowie der wichtigsten österreichischen und bayerischen Ministerien. Für
INTERREG-Kleinprojekte können die Vertreter der Inn-Salzach-EUREGIO und der EUREGIO Bayerischer Wald-Böhmerwald im Regionalen Lenkungsausschuss selber entscheiden, welche Projekte gefördert werden sollen. Zur Auszahlung gelangen die EU-Mittel dann über die Bescheinigungsbehörde beim bayerischen Wirtschaftsministerium in München direkt an die Projektträger.

Wie sieht ihre Arbeit als Regionalmanagerin für grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus und welchen Nutzen schaffen Sie mit Ihrer Arbeit? Wer profitiert davon?

Im Kern geht es immer um das Entwickeln von Projekten und um das erfolgreiche Ansuchen um Fördermittel. Das ist der primäre Nutzen, der in meiner Arbeit von allen beteiligten Ebenen von der Politik, der Programmverwaltung, meinem Unternehmen, natürlich von den Projektträgerinnen und Projektträgern und letztlich auch von der regionalen Bevölkerung gesehen wird. Bis es aber so weit kommt, dass ein konkretes Projekt auf dem Tisch liegt, sind viele verschiedene Vorgänge notwendig, die bei jedem Projekt anders aussehen. Ein wichtiger Vorgang ist es, gemeinsam mit den Projektträgern – in der grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit sind immer mindestens ein österreichischer und ein bayerischer Partner beteiligt – die Idee oder Bedarf zu strukturieren. Welche Zielsetzungen haben die einzelnen Partner und welche Ziele werden gemeinsam verfolgt? Welches Know-how steht zur Verfügung und welche Ressourcen können eingesetzt werden? Welche Maßnahmen sind sinnvoll, welche notwendig und in welchem Zeitraum können Maßnahmen umgesetzt werden? Manche Projektträger können das selber und benötigen nur einen entsprechenden Impuls, mit anderen Projektträgern sind dazu viele Besprechungen oder moderierte Workshops notwendig. Es ist zu überlegen, welche Organisationen eingebunden werden müssen und wo findet man in Österreich und in Bayern die jeweiligen Ansprechpartner. Man muss sehen, wie die Zielsetzungen der Projektträger mit den Zielsetzungen des Förderprogramms vereinbar sind und abklären, welche Maßnahmen am besten mit welchem Finanzinstrument unterstützt werden können. Je nach Projekt können solche Entwicklungsprozesse in drei Monaten mit wenigen Besprechungen abgeschlossen sein und bei anderen Projekten arbeitet man in verschiedenen Konstellationen mehrere Jahre. Die Themen, an denen gearbeitet wird, sind so vielfältig wie die Region. Trotz der jahrelangen Erfahrung lernt man bei jedem Projekt etwas Neues dazu. Und genau von diesen Erfahrungen und diesem gesammelten Wissen profitieren die Projektträger. Es geht daher nicht nur darum, die Förderrichtlinien zu einem Programm zu kennen. Es ist wichtig, ein Netzwerk an Personen und Wissen zu haben und natürlich muss man auch in der Lage sein, Informationen zu vermitteln, eine Gesprächsrunde zu führen, einen Workshop zu moderieren, Konzepte zu verfassen und Kalkulationen aufzustellen. Und häufig gibt es auch Tage und Wochen, an denen man nur Verwaltungsaufgaben erledigt und Berichte schreibt.

Macht Ihnen die Arbeit nach alle den Jahren immer noch Freude? Ist Ihre Arbeit sinnerfüllt?

Die Arbeit an den Projekten macht mir immer noch Freude, ganz klar! Ich bin neugierig und immer daran interessiert Neues kennenzulernen. Gemeinsam zu gestalten, etwas zu entwickeln und dann zu sehen, was daraus geworden ist, kann sehr befriedigend sein. Es ist ja nie meine Entscheidung, ob und wie ein Projekt realisiert wird. Es sind die Ideen und Ziele der Projektträger, die realisiert werden und es sind die Ressourcen der Projektträger und der Fördergeber, die für Maßnahmen und Investitionen eingesetzt werden. Aber ich kann jeweils einen Beitrag dazu leisten, dass in unserer Grenzregion an wichtigen Zukunftsthemen gearbeitet wird, Städtekooperationen gestärkt werden, attraktive Tourismusangebote entstehen, ein Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität geleistet wird, etwas für den Hochwasserschutz getan wird, Bildungsangebote professionalisiert werden, Kultur- und Sportangebote zur Lebensqualität der Bevölkerung beitragen und unser Lebensraum nicht an der Grenze endet, sondern der gemeinsame oö-bayerische Grenzraum von einem vielfältigen, lebendigen grenzübergreifenden Netzwerk durchzogen ist.

 

 

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